Villa Rosenau besetzt!

1995 wurde wegen dem Bau der "Nordtangente" (unterirdische Autobahn durch die Stadt) die Sozialnotsiedlung Rosenau abgerissen, bis auf ein letztes Haus, das danach als sogenannte "Villa Rosenau" für Grenztierarzt, Baubüro und Präsentierraum für die Nordtangente, usw. zwischengenutzt wurde.
Bis die Villa Rosenau dann einige Zeit ungenutzt dastand und schliesslich am 2. September 2004 besetzt wurde.
Die Bewohner haben weder einen Miet- noch einen Gebrauchsleihvertrag: Die Villa Rosenau wird illegal bewohnt.
Ausserdem haben wir noch einen Vertrag mit der Swisscom für den Telefon und ADSL-Anschluss.
Eigentlich wollten wir heute um 21 Uhr in Basel fuer bestehende und neu entstehende Freiräume demonstrieren. Gestern hat sich nun die Situation verändert: Die Regierungsrätin Barbara Schneider hat uns in einem Brief versichert, dass die Villa vorläufig bleiben kann und dass wir für die Nutzung des Areals höchstens einen symbolischen Betrag zahlen müssen. Somit sind unsere Forderungen, was die Villa Rosenau betrifft, grösstenteils erfüllt. Deshalb haben wir uns kurzfristig entschieden, die Demonstration nicht in der geplanten Form durch zu führen.
Heute Freitag 27.Juni 2008 um 16 Uhr wird es bei der Villa Rosenau eine VV geben, auf der unser weiteres Vorgehen besprochen wird. Kommt doch vorbei und bringt euch ein.
Weiterhin sind jedoch viele Freiräume bedroht und neue Häuser zu besetzen ist mit zunehmender Repression immer schwieriger. Deshalb bleibt unser Anliegen nach Freiraum bestehen. Wir solidarisieren uns mit La Biu in Biel und der Hegistrasse in Winterthur. Des weiteren solidarisieren wir uns mit den Freiraumkämpfen in Barcelona, Berlin und Kopenhagen.
Freiräume sind fär uns nicht nur alternative Wohnräume, sondern haben für uns auch weitere Bedeutungen: Als Kulturzentrum, als Politzentrum und als sozialer Freiraum. Unter sozialem Freiraum verstehen wir einen Ort, unabhängig von Kapital und Regierung, an dem sich Menschen hierarchiefrei begegnen, an dem keine klare Trennlinie zwischen den Organisierenden und den Konsumierenden besteht. Die Infrastruktur kann von allen genutzt werden, um eigene Projekte zu verwirklichen. Besetzte Häuser sind ausserdem Orte, wo politische Ideen und Ansichten entstehen, diskutiert und umgesetzt werden.
In Basel gibt es seit längerem nur einen solchen Raum: Die Villa Rosenau. Seit 4 Jahren versuchen viele engagierte Menschen, dieses Konzept umzusetzen. Seit das Baudepartement im März 2008 die Räumung angekündigt hat, drohte dem letzten Besetzten Haus Basels das Aus. Diese akute Gefahr scheint nun gebannt. Längerfristig ist es notwendig, dass sich viele Leute im Projekt Villa Rosenau engagieren. Wir rufen alle auf, schon dieses Wochenende damit zu beginnen und am Camp teilzunehmen.
Demo-Gruppe Villa Rosenau
Hier das Email vom 26.Juni 2008 unterschrieben von der Regierungsrätin Barbara Schneider:
E-Mail vom Baudepartement am 26.Juni 2008 [original attached file]
[original raw rfc822-internet-message]
Es ist nicht klar, ob es sich dabei um eine Hinhaltetaktik handelt, denn bislang hat die Regierung jegliche direkte oder indirekte Kontaktaufnahme abgewiesen. Wir, die Vollversammlung der Villa Rosenau, schätzen die Räumungsgefahr noch immer als akut ein. Wir haben heute beschlossen, am Konzept der Verteidigung der Villa Rosenau und nicht-kommerziellem Freiraum festzuhalten. Dazu brauchen wir euch alle ab dem Freitag, 27. Juni in Basel. Wer schon früher Zeit hat, um beim Campaufbau zu helfen, ist herzlich willkommen. Am besten meldet ihr euch dafür unter villableibt@riseup.net.
Um euch einen Einblick zu geben, wo die Diskussion mit den Behörden momentan steht, habt ihr untenstehend unsere Pressemitteilung vom 11.6.
Solidarische Grüsse Autonomes Medienkollektiv Basel
(P.S: Fuck EM)
Bei all diesen Unsicherheiten bleibt uns nichts anderes übrig, als uns auf den Widerstang gegen die Räumung vorzubereiten, es sei denn es käme in den nächsten Wochen zu einem Vertrag, mit dem alle Seiten leben können.
Vollversammlung der Villa Rosenau
Da diese Rechungen aufgrund der zum Teil eingesetzten Elektroheizungen sehr hoch sind können die Bewohner diese warscheinlich nicht rückwirkend bezahlen. (dies ist eine Vermutung und kein offizielles Statement!)
Warum Elektroheizungen? - Durch den Umbau der Villa Rosenau in einen Schalter für den Grenztierarzt wurde der untere Teil des einen Kamins zerstört. Unter Anleitung eines Kaminfegers hatten wir das Kamin so repariert, dass es wenigstens im 1.OG benutzbar ist. Sonst wird in der billig gebauten und im Winter kalten Villa mit Holz geheizt.
Übrigens: das Tiefbauamt und die Baufirmen heizten früher im Winter hier mit nicht weniger als 6 Elektroheizungen, teilweise im Dauerbetrieb.
Die uns nur mündlich vorliegenden Bedingungen scheinen dermassen schlecht zu sein, dass die Regierung und die Polizei die Villa Rosenau wohl so oder so räumen wollen.
Am Mittwoch, dem 4. Juni 2008, entschied die Grossratssitzung der Stadt Basel, dass die Villa nun doch nicht abgerissen werden soll. Was das nun konkret heisst, an welche Bedingungen und Forderungen die Weiternutzung der Villa Rosenau geknuepft ist, ist noch nicht klar und fuer uns darum auch kein Grund fuer einen Freudensprung. Solange wir keine schriftliche Zusicherung darueber haben, dass die Villa Rosenau nicht geraeumt wird und uns die weitere Nutzung der Liegenschaft nicht garantiert wurde, werden wir uns an unsere Verteidigungsstrategie halten, also weiterhin von einer Raeumungsbedrohung ausgehen und uns dementsprechend darauf vorbereiten.
EDIT: Es war nicht der Grosse Rat der das entschieden hat, sondern Regierungsrätin Barbara Schneider(SP) beantwortete eine Interpellation.
Freiräume verteidigen - Villa Bleibt!
EDIT:
Nur damit keine verwechslungen entstehen:
Wir sind KEINE Hippies!